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Fundstücke

Raum gewinnen

Tanzen im öffentlichen Raum? Das passiert nur selten im Alltag. Früher hat man bei der Loveparade in Berlin den öffentlichen Raum tanzend okkupiert. Wenn eine Mannschaft ein bedeutendes Turnier oder die nationale Meisterschaft gewinnt, dann gehört der obligatorische Freudentanz an einem meist halbwegs prominenten Brunnen, einem Stadttor oder auf einer bekannten Straße mittlerweile einfach dazu. Einen Tanzflashmob, bei denen sich fremde Menschen an einem Platz zusammenfinden und zu einer vorher festgelegten Choreographie tanzen, kommen immer mal wieder vor. Beim Tod von Michael Jackson z.B trafen sich weltweit spontan viele Fans und tanzten so gemeinsam den Moonwalk.

Mit einem Tanzflashmob mehr als nur Raum gewinnen

Etwas ganz Besonderes ereignete sich am 25. April 2016 in Brüssel. Die Stadt wurde durch einen fürchterlichen Terroranschlag am 22. März erschüttert und das öffentliche Leben wurde lahm gelegt. Dieses Lahmlegen des normalen Alltags ist ja auch eines der Ziele, die Terroristen mit den Attentaten verfolgen. Die Tanzchoreografin Anna Teresa de Keersmaker wollte die Stadt mit einer ungewöhnlichen Performance wieder beleben und Menschen zusammenbringen. Aus verschiedenen Richtungen Brüssels machten sich Menschen in einem Slow Walk auf den Weg zur Grand Place im Herzen der Stadt. Mit nur 5 Metern pro Minute bewegten sich die Teilnehmer durch die Stadt. Das ist sehr, sehr langsam. Zeit um nachzudenken, die eigene Stadt anders zu sehen, sich auszutauschen oder einfach nur die Langsamkeit des Seins zu erfahren. Andere Leute schauten erstaunt zu oder schlossen sich dem Zug spontan an.

Angekommen auf der Grand Place wurde aus dem schleichenden Gehen zu Klängen von David Bowies ‚Lets Dance‘ ein choreographierter Tanz und alle Menschen auf dem Platz tanzten miteinander und ließen sich von diesem Flashmob begeistern und mitreißen.

Dass sich so die Menschen ein Stück der Alltagsnormalität wieder schenkten, hatte de Keersmaker also tanzend und spielerisch erreicht. Unter diesen Umständen eine besondere und auch sehr berührende Aktion. Diesem Beispiel folgend sollten wir ohne irgendwelchen Anlässe uns öffentliche Plätze erobern und einfach mal auf den Plätzen und Straßen tanzen. Wir alle sind öffentlicher Raum und durch solche Aktionen sehen wir unsere Städte aus anderer Perspektive und lernen vielleicht vergessene Plätze ganz neu kennen.

Einfach mal ausprobieren und einfach mal einen Tanzflashmob starten – so können Sie den Frühling dann auf eine ganz andere Art sichtbar machen. Dazu braucht man keine EM oder irgendwelche Frühlings- und Sommerfeste. In den 1. Mai tanzt man ja sprichwörtlich auch … viel Freude & Spaß beim Tanzen und Raum gewinnen.

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