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Raumideen

Der grüne Raum …

Im weitesten Sinn ist der Garten ja auch ein Raum, oder? Ein ganz spezieller Frei-Raum der sich immer wieder anders präsentiert und so vielfältig ist wie kein anderer Raum im Haus oder unserer Wohnung.

Allerdings macht er auch viel mehr Arbeit als jedes andere Zimmer. Man kann den Aufwand aber nach eigenem Ermessen und nach persönlichen Geschmack steuern. Das Motto: ‚Ein Garten ist niemals fertig‘ gilt aber wohl für fast jeden Garten.

Mein Traumgarten, sollte ich jemals einen haben, wäre eine Mischung aus Nutzgarten und einer wilden Streuobstwiese, einem riesigen Hortensienstrauch, einem japanischen Fächerahorn sowie unterschiedlichsten Gräsern. Ob sich dieser Traum erfüllen wird? In jedem Fall wäre es großartig, sich selbst mit Gemüse und Obst versorgen zu können. Einfach durch den Garten gehen, ernten und das zu kochen, was grad reif ist. Natürlich ist es nicht so einfach und romantisch, einen Nutzgarten anzulegen, zu pflegen, um dann so spontan durch den Garten gehen und ernten zu können, das ist mir schon klar, und es steckt enorm viel Arbeit dahinter. Aber träumen darf und soll man ja.

Vier ziemlich unterschiedliche Gärten aus dem Callwey-Buch ‚Gärten des Jahres 2015‘ möchte ich kurz vorstellen. Von klein bis groß ist für jeden Gartenbesitzer etwas dabei. In jedem Garten steckt sicher etwas Inspiration, und die ein oder andere Idee kann man auf den eigenen Garten übertragen. Viel Spaß beim Durchblicken und Spinnen der eigenen Ideen.

Garten in der Stadt? Sogar zwei sind kein Problem

Vor- und Hauptgarten sollten von der nicht wirklich vorhandenen Gartenplanung des Bauträgers befreit werden. Der Wunsch des Bauherren war es, einen Garten zu haben, der sehr pflegeleicht und dennoch grün und abwechslungsreich ist. Zudem sollte er ruhig sein und die Möglichkeit des privaten Rückzugs bieten. Nicht ganz einfach zu lösen, haben Vor- und Hauptgarten mit jeweils 30 und 70 qm nicht eben viel Platz um zu gestalten. Der Planer Sven Schuhmacher löst diese Herausforderung streng geometrisch und erweitert so den Innen- zum Außenraum. Gräser, ein Schneeball und Rosen finden sich in einem Hochbeet und quadratischen Fiberglaskübeln wieder. Um diese zu pflegen und zu gießen, braucht es in der Tat nicht viel Aufwand. Die unterschiedlichen Grüntöne und Pflanzhöhen beleben die beiden Gartenteile und brechen so die strenge Linienführung.

vorgarten in der stadt
Der Vorgarten ist eine kleine Oase und man vergisst ganz schnell die Straße!

Der Vorgarten wird durch zwei Holzwände komplett vom Straßenraum abgetrennt. Es stellt sich also gleich das private Gefühl ein, sobald man das Gartentor hinter sich schließt. Die alte Ziegelmauer und die Bäume, die auf der Straße stehen, bieten einen perfekten Hintergrund und sind quasi eine Gratiszugabe. Drei rechteckige Hochbeete zonieren den kleinen Vorgarten in einen Bereich des Ankommens und Weitergehens, und die tiefe Sitzbank lädt ein, sich sein Plätzchen zu suchen und die Abendsonne zu genießen. Geschickt versteckt bietet die Holzwand hinter der Schiebetür Platz für die Mülltonnen.

Der Hauptgarten erweitert das Wohnzimmer zu einem geschützten Freiraum. Hier findet ein Tisch für sechs Personen Platz und bietet zudem die Möglichkeit, sich zum Lesen und Entspannen allein zurückzuziehen. Eine rechteckige Kiesfläche, in der ein Wasserspiel und zwei quadratisch gezähmte Hainbuchen ihren Platz finden, definiert die beiden Bereiche. Die Rückwand ist mit Efeu begrünt, drei Stelen aus Cortenstahl sorgen für farbliche Abwechslung. Heutzutage nahezu obligatorisch ist die Illuminierung des Gartens. Kleine Spots, die tagsüber nahezu unsichtbar sind, lassen den Garten des Nachts erstrahlen. So wird der Garten zur Kulisse, wenn man bei nicht so warmen Temperaturen im Wohnzimmer sitzt und nach draußen blickt.

Stadtgarten
Der Hauptgarten ist klar und streng in der Limienführung. Die Cortenstahlelemente und das Grün belebt den Garten und macht auch diesen kleinen Garten zu einem Ruhepol.

Die Planer haben dem Haus zwei Rückzugsorte gegeben, die genau die Wünsche der beiden Bauherren erfüllen. Es braucht also nicht immer einen großen Garten, um sich in der Natur zu fühlen. So kann man diesen Garten ohne viel Aufwand nutzen und den kurzen Feierabend in vollen Zügen genießen. Da wird sich der ein oder andere Stadtgartenbesitzer bestimmt etwas abschauen, um eine solche pflegeleichte und vielfältige Oase zu schaffen.

Planer: Gartenwerk Sander.Schuhmacher

Felsen im Garten? Ziemlich schön, so ohne Rasenfläche!

Man könnte nun die unterschiedlichsten Vergleiche mit mathematischen Gleichungen und Formeln anstellen. Der Blick auf den Grundriss und die Schwierigkeit der Aufgabe lieferten dafür eine Steilvorlage. Doch das wäre dann zu plakativ. Der Landschaftsplaner Peter Berg schuf einen ungewöhnlichen Garten und löste mit seinem Konzept gleich alle Probleme auf einen Streich.

Die beiden größten Probleme sind die Hanglage und die Straße, die in einem Viertelkreis das Grundstück umfährt. Dass das Haus die Quadratur des Kreises versucht, ist vielleicht sogar eher Inspiration als Problem gewesen. Die kongeniale Idee: Straßenlärm, Hanglage und komische Garten-Restflächen durch einen terrassierten Felsengarten erscheint beim Blick in den Garten nur allzu logisch. Ein steinerner Schutzwall, der kontrastiert wird durch filigrane Gräser, üppige Stauden, wertvolle Gehölze und versteckte Sitzplätze. Große, sehr große und kleinere Mendiger Basaltfelsen aus der nahen Eifel wurden nach einem ausgetüftelten System punktgenau platziert. So entsteht für die Familie ein Ruhepol und ein zu jeder Jahreszeit spannender Garten, denn neben all den Grüntönen der Stauden, Gräser und Farne sorgen Weißer Kandelaber-Ehrenpreis, dunkelvioletter Steppen-Salbei, blaue Schwertlilien und violette Glockenblumen für Farbtupfer.

 

Großartiges Zusammenspiel der Felsen, Stauden und Gräser.
Großartiges Zusammenspiel der Felsen, Stauden und Gräser.

Ein gewünschter Nebeneffekt der gestaffelten Basaltterrassen ist die Entstehung eines Mikroklimas im Garten. Die Sonne erwärmt tagsüber die Steine und gibt die Wärme am Abend wieder langsam ab. Das ist gut für die Pflanzen und auch für die Bewohner, denn im Felsengarten laden einige Steine ein, sich gemütlich niederzulassen und das Glas Wein im Grünen zu genießen. Direkt am Haus gibt es eine Sitzskulptur aus Beton mit extra angefertigten Sitzpolstern. Hier kann man sich setzen, flätzen oder legen und den Blick über den begrünten Felsengarten schweifen lassen. Die klassische Rasenfläche und gerahmte Beete vermisst man zu keiner Sekunde.

In den Felsen versteckt sich der ein oder andere Sitzplatz, aber auch das Betonsofa ist ein Traum!
In den Felsen versteckt sich der ein oder andere Sitzplatz, aber auch das Betonsofa ist ein Traum!

Planer: GartenLandschaftBerg

 

Es wäre toll, wenn es nicht immer besonderes komplizierte Gegebenheiten wären, die Bauherren veranlassen, einen Profi zur Gartenplanung hinzuziehen. Jenseits der Rasenkantensteine haben nämlich gerade die Experten viele Ideen und kreative Lösungen, um einen Garten zu gestalten. Haus und Garten können so zu einer Einheit werden und die persönliche Lebensqualität nochmal steigern. Es empfiehlt sich, den Landschaftsarchitekten oder -planer schon in einer frühen Entwurfsphase des Hauses hinzuzuziehen. Das vereinfacht den Prozess, und beide Planer können so in der frühen Phase sich gegenseitig inspirieren und an den Schnittstellen gut zusammenarbeiten.

Die nächsten beiden Gärten werden Sie in den Innenhof eines Bauernhofs im österreichischen Burgenland mitnehmen und in ein Gartenlabyrinth nach Erfurt entführen.

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