Blick in den Patchworkgarten
Raumideen

Labyrinth oder Patchwork

Ein quasi Labyrinth

Wie in einem barocken Schlosspark fühlt man sich in diesem Garten. Tatsächlich ist man aber mitten in Erfurt und nicht nur ein Weg führt zum Ziel, sondern jeder einzelne Weg in diesem aus über 7.000 Ligustern bestehenden Labyrinth ist das Ziel.

 Ein Garten der anderen Art. Unterschiedlich große Inseln aus Liguster bilden ein Labyrinth und laden ein diese Grüne Oase immer wieder neu zu entdecken.

Ein Garten der anderen Art. Unterschiedlich große Inseln aus Liguster bilden ein Labyrinth und laden ein diese Grüne Oase immer wieder neu zu entdecken.

Bevor Landschaftsarchitekt Tobias Mann diesen Garten verwandelte, war es eine verwilderte Brachfläche mit einigen Apfel-, Aprikosen- und Birnbäumen, die als einzige Pflanzen bestehen blieben. Die neuen Besitzer des viergeschossigen Gründerzeitbaus wünschten sich einen Garten, der wieder erlebbar ist. In der Tat kann man in dieser grünen Oase nun eine Menge erleben. Die immergrünen Ligusterinseln sind unterschiedlich hoch und in Kombination mit dem bis zu sechs Meter hohen Gefälle bietet der Weg durch den Garten immer wieder Überraschungen. Das Versteckspiel der Kinder bekommt in diesem Labyrinth von Liguster und Bäumen eine ganz neue Dimension. Der Zwischenraum ist mit Gras bepflanzt und dient so als Weg, Sitz- oder Spielplatz.

schaukeln im garten
In den Freiflächen finden sich Schaukeln oder Sitzplätze und natürlich kann man hier ganz wunderbar Verstecken spielen.

Jedes Jahr schneidet das Ehepaar den Liguster selbst und kann dabei völlig entspannen und alles andere vergessen. So entsteht alljährlich aufs Neue eine nahezu skulpturale Landschaft. „Man kann beim Schneiden des Ligusters keine Fehler machen. Er verzeiht auch einen tiefen Schnitt ins alte Holz“, sagt Tobias Mann und nimmt so die letzte Angst, vielleicht doch etwas beim ersten Schnitt falsch zu machen. Die Obstbäume können ganz mystisch von unten beleuchtet werden, und so wird der abendliche Blick zu etwas Besonderem, wenn man vom Haus aus in den beleuchteten Garten blickt. Der absolute Lieblingsplatz der Familie für diesen Blick ist das Wohnzimmer im 2. Obergeschoss. Sicherlich einer der ungewöhnlichsten, zugleich aber spannendsten Gärten.

Gartenplanung: Mann Landschaftsarchitektur
Fotos: Jörg Behrens

 

Lebendiges Großmosaik

Wenn ich mich für einen Lieblingsgarten entscheiden müsste, dann mit ganz leichtem Vorsprung für diesen Patchwork im Burgenland. Fährt man durch die Dörfer dort, denkt man, dass hier ja gar nix los ist. Nur Häuser und kaum Menschen auf den Straßen. Sogenannte Streckhöfe prägen das Dorfbild. So ein Streckhof zeichnet sich durch ein schmales, dafür aber langes Grundstück aus. Hier wird gelebt, gegärtnert und das ein oder andere vorzügliche Achterl Wein des befreundeten Winzers getrunken. Robert Luger, Bauherr und Planer in Personalunion, legte für seine Familie zwei Grundstücke zusammen. Dies gibt ihm mehr Spielraum den Innenhof zu gestalten, und auch das Haus lässt sich etwas zeitgemäßer bauen.

Schattenspiel im Garten
Ein wunderbarer Platz um abends ein Glaserl Wein zu genießen und den Schattenspielen auf der Fassade zuzusehen.

In diesem Fall ein flacher, eingeschossiger Baukörper, in dessen Mitte sich ein Atrium mit hohem Bambus befindet. Die straßenseitige Ansicht ist charmant anzusehen, denn der Bambus wächst quasi aus dem Dach und sorgt so im Straßenverlauf für einen Bruch in der ansonsten gleichförmigen Straßenfront. Das Atrium belichtet die anliegenden Schlafzimmer und markiert die ehemalige Grundstücksgrenze. Die offene Wohn-Lebens-Küche ist im Haus das zentrale Element, um das sich alles dreht und abspielt. Von hier aus blickt man in den Garten, und dieser ist wirklich anders. Denn vor der Fensterfront befinden sich unterschiedlich große Quadrate und Rechtecke. Eine aufgelöste und lebendige Terrasse, denn zwischen den Holz- und Betondecks wachsen Blumen, Gräser und Stauden. So kann man sich je nach Jahreszeit sein Lieblingsplätzchen suchen. Immer blüht an anderer Stelle etwas, und so verändert sich der Garten von Woche zu Woche. Ein Teil des alten Hofs wurde zu einem Gästehaus umfunktioniert. Vor dessen Giebelseite befindet sich das größte Holzdeck mit der wohl längsten Bank im Burgenland. Hier sitzt man am Tisch zwischen dem alten und dem neuen Haus und kann den Garten in vollen Zügen genießen. „Tages- und Jahreszeiten haben eine große Präsenz. Die Bilder wechseln ständig, wenn etwa bei der Nacht das silberne Mondlicht hereinscheint oder wenn die Nebel nieder hängen und die Landschaft verändern“, weiß Robert Luger zu berichten.

Patchwork verschiedener Materialien
Holz, Beton, Blumen, Stauden und Gräser bilden ein lebendiges Patchwork und hier findet garantiert jeder sein Lieblingsplätzchen.

Dies Haus und die neu interpretierte Grünfläche sind ein ziemlich gelungenes Beispiel, wie sich bauhistorisch gewachsene Strukturen mit neuen Ideen und Konzepten kombinieren lassen, ohne sich gegenseitig im Weg zu stehen.

Gartenplanung: 3:0 landschaftsarchitektur
Fotos: Hertha Hurnaus

Die vier vorgestellten Gärten zeigen eindrucksvoll, dass es egal ist, ob kleiner oder großer Garten, ob innerstädtisch oder auf dem Dorf gelegen, ob sich der Mut und der Blick über den Jägerzaun lohnt und man mit einem ganz individuellen grünen Oase belohnt wird, wenn man einen Planer engagiert. Klar, der finanzielle Aufwand ist nicht ohne und oftmals auch das Budget knapp bemessen. Weitere 46 außergewöhnliche Ideen finden Sie in dem Buch „Gärten des Jahres 2016“ vom Callwey Verlag – lassen Sie sich beim Blättern überraschen und inspirieren.

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