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Fundstücke

Lieblingsplätze #02 – Rennrad

Dieser Lieblingsplatz ist kein Platz im eigentlichen Sinn. Dieser Platz ist nicht sonderlich groß, sondern beschränkt sich eher auf einen Sattel, der auf einem Rennrad oder Mountainbike geschraubt ist. Dieser Platz ist also sehr klein und recht hart, bedeutet aber für mich unendliche Freiheit und Weite.

Rennradfahren in Frankreich
Mit dem Rennrad in Frankreich.

Radfahren als Entspannung

Mit dem Rad bewege ich mich zugleich langsam wie auch schnell durch die Landschaft. Schnell genug, um an einem Tag, wenn man trainiert ist, bis zu 200 km zurückzulegen, aber auch langsam genug, um die Landschaften auf besondere Weise kennenzulernen. Die vorbeiziehende Natur sauge ich förmlich auf, beobachte genau ihren Verlauf und kann mich oft noch Jahre später an kleine Details erinnern. Auf dem Rad erfährt man eine Landschaft förmlich und lernt Land und Leute auf eine spezielle Art kennen. Einfach so geräuschlos dahingleiten und nur den Moment, das Wetter, die Natur auf sich wirken lassen – trotz der Anstrengung ist das für mich tiefenentspannend.

Mountainbike in Barcelona
Mit dem Mountainbike auf Streifzug durch Barcelona.

Radfahren als Entwurfsprinzip

Das Radfahren setze ich ganz verschieden ein. Manchmal, um abzuschalten und den Gedanken freien Lauf zu lassen. So lösen sich Details von ganz alleine, es entstehen neue Ideen und Konzepte. Speziell bei mir funktioniert das ziemlich gut, denn Gebäude, Möbel oder Konzepte entstehen bei mir zuerst im Kopf und werden dann erst zu Papier gebracht. Auf dem Rad mit Wind um die Nase habe ich eine gewisse Distanz zur Realität, denke freier, abstrakter, kann frei formen und spinnen. Viele Ideen werden auch nur auf dem Rad entworfen und bleiben dann ein Radgespinst. Das reicht aber auch manchmal aus, um aus dem Alltag und dem alltäglichen auszubrechen. Einige Ideen oder Details finden durchaus den Weg in die Realität. Das Radfahren in diesem Fall also als Entwurfsprinzip. Dies funktioniert aber nur, wenn man alleine fährt oder mit jemanden zusammen, den man gut kennt und schon viele Kilometer gefahren ist.

Mein altes Eddy Merckx
Unterwegs mit einem alten Stahlrahmen.

Radfahren um zu entdecken

Mit dem Rennrad ist es wunderbar, Architektur zu erkunden. Oftmals stehen auf der Route zwei, drei oder vier Projekte, die ich mir ansehe. Es ist anders, sich einem Gebäude auf dem Rad zu nähern, als mit dem Auto hinzufahren, zu parken und sich dann das Gebäude anzusehen. Der Unterschied ist wohl auch hier wieder das langsame Annähern, aber wie ich finde, ist es auch die andere Perspektive die man auf dem Rad hat. Man sitzt höher als im Auto oder wenn man zu Fuß unterwegs ist. Im Gegensatz zum Auto ist die Rundumsicht völlig uneingeschränkt, keine A-, B-, oder C-Säule stört den Blick. So ist der Eindruck atmosphärischer, direkter und unverfälschter.

Sonnenuntergang mit dem Rad
Den Sonnenuntergang am Cap Creus genießen.

Wunderbar ist es ebenso, sich das Stadtrad zu schnappen und Stadtteile zu erkunden, die nicht auf dem täglich gleichen Weg zur Arbeit, zum Sport, zum Markt oder zu Freunden stehen. Einfach mal ausprobieren und losradeln! Ich bin immer verwundert und erstaunt, was man dann so entdeckt.

Col du Galibier
Auf den Spuren der Tour de France.

Das sind meine drei unterschiedlichen Arten mich mit dem Rad fortzubewegen. Zu den Rennradfahrern, die zwischendurch eine Pause einlegen, um gemütlich ein Weißbier oder anderes isotonisches Getränk zu trinken oder zum Abschluss der Runde auf ein Eis oder Kuchen einkehren, gehöre ich nicht. Dazu bin ich dann trotz des mittlerweile gemächlichen Tempos doch noch zu sehr Sportler. Vielleicht treffen wir uns mal auf einer Runde?! Eine meiner Lieblingsrunden ist von Lenggries zum Walchensee und Kochelsee, über Wallgau durch den Vorderriss zum Sylvensteinspeicher und wieder zurück nach Lenggries. In Kochel am See kann man sich dann das Franz-Marc-Museum ansehen, nicht nur architektonisch ein kleines Juwel, sondern die Ausstellungen sind immer sehr gut und spannend zusammengestellt. Gerne können Sie dann im Museumscafé auch einen Apfelstrudel essen, der ist dort exzellent – habe dann doch mal einen Kaffee-und-Kuchen-Stopp eingelegt. Viel Spaß beim Radeln, Entdecken und Erfahren!

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