Mehr als nur Gäste-WC. Die Dusche für die Gäste ist gleich integriert.
Raumideen

Sie wissen schon wo – das Gäste-WC

Ohne jemals zuvor in einem Haus, in einer Wohnung gewesen zu sein, wissen wir zu 90%, wo wir das Gäste-WC finden. Aus Höflichkeit dem Gastgeber gegenüber fragt man dennoch nach. Die Antwort lautet häufig: „Am Eingang die Tür links!“

Wer hatte als erstes die Idee? 

Tolle Materialien bestimmen dieses Gäste-WC. Harmonisch und einladend!
Typischer Grundriss – länglich und ohne Tageslicht. Holz, dunkler Naturstein und beige gestrichene Wände sind ganz zwanglos, schlicht, und in Kombination mit zwei unterschiedlichen Lichtquellen strahlt dieses Gäste-WC Eleganz aus. Lediglich der große Spiegel wird beim ersten Besuch vielleicht etwas verwirren. Ganz sicher sitzt die Frisur nach dem besuch dieses stillen Örtchens!
Badplanung: Aqua Cultura / Dreyer

Natürlich hat das praktische und absolut nachvollziehbare Gründe. Wer will schon, dass die Gäste, Freunde das gesamte Haus durchqueren müssen, um mal eben auf die Toilette zu gehen. Soweit logisch. Was Sie allerdings oftmals auch schon vorher wissen: Es ist klein und schmal – und warum eigentlich geht der Fliesenspiegel bis unter die Decke? Ob die Fliesenlegerinnung hinter dem komplett verfliesten Gäste-WC steckt oder die Lobby der Hersteller von Hochdruckreinigern? Die Fliesenleger wohl kaum, denn es macht wirklich keinen Spaß in einem so kleinen Raum, der oftmals auch nicht gut beleuchtet ist, Keramikplättchen zu verlegen. Es den Hochdruckreiniger-Produzenten in die Schuhe schieben zu wollen, wäre ziemlich gemein. Man kann zwar fast alles mit einem Hochdruckreiniger putzen, jedoch wohl kaum ein enges Gäste-WC. Denn beim Säubern der einen Wand spritzt und verschmutzt man unweigerlich die gegenüberliegende Wand. Wären diese beiden verdächtigen also aus dem Schneider.

Wer dann? Vermutlich der auf der Baustelle und bei Bauträgern oftmals verwendete Ausspruch: „Das haben wir schon so gemacht!“ Irgendwer in den frühen 1960er Jahren hat also praktisch gedacht, um das Gäste-WC, aber auch das eigene Badezimmer leicht und unproblematisch reinigen zu können, die Fliesen einfach bis unter die Decke verfliest. Das fanden der Nachbar und Freunde ebenso praktisch und haben es nachgemacht. Schon war der Trend in die Welt gesetzt. Heutzutage würden Wohnblogger darüber vielfach schreiben, bei Facebook und Instagram posten, und schon haben alle das, was Freunde und Bekannte auch haben. Die Wohnungsbaugesellschaften haben diesen Trend natürlich schnell entdeckt und alle Neubauten so ausgeführt. Teilweise entdeckt man sogar noch heute bei Neubauten diese vollverfliesten Relikte aus längst überwunden geglaubten Zeiten.

Eye-Catcher ist das freistehende Waschbecken.

Darf es etwas mehr sein? Oftmals praktisch, gleich ein kleines Gäste-Bad einzuplanen. Aber auch praktisch, wenn die Kinder das Badezimmer mal wieder länger belegen. Das Oberlicht gestaltet es automatisch hell und freundlich. Die Waschschale auf dem Natursteinboard hat schon fast etwas Fragiles und wurde von einem Künstler gestaltet. Die Materialien sind auch hier bewusst ausgewählt und fein aufeinander abgestimmt. Der Strukturputz sorgt für den nötigen Kontrast zu den ansonsten eher glatten Oberflächen. Badplanung: Aqua Cultura / Goldmann Badmanufaktur

Die Visitenkarte des Hausherren – das Gäste-WC

Die Grundfläche des Gäste-WCs misst häufig unter 5 und streitet sich lediglich mit der Putzkammer um den kleinsten Raum im Haus, in der Wohnung. Das stille Örtchen hat aber gleichwohl mehr Bedeutung. Der Gast soll sich hier wohlfühlen, und die Hausherrschaft kann guten Geschmack beweisen. Eine der skurrilsten Situationen erlebte ich bei einem Bauherrn, der das Gäste-WC hochwertiger ausgestattet haben wollte als das eigene Badezimmer. Man wolle schließlich zeigen, was man hat. Das ist sicherlich die Ausnahme, allerdings ist festzustellen, dass die Bauherren mutiger sind und den Gästen stimmungsvolles Licht und passende Accessoires bieten möchten. Es geht darum, den Spagat zwischen der kleinen Fläche und einem funktionellen, schönen Design zu finden. Der Gedanke, das Gäste-WC vollflächig zu verfliesen, ist gar nicht so abwegig gewesen, denn der Raum soll ja stets einwandfrei aussehen. Sich hier für pflegeleichte Materialien zu entscheiden, ist praktisch, denn der Raum wird ja nicht jeden Tag benutzt.

Selten zeigen Architekten oder Innenarchitekten Bilder der Gäste-WCs – verständlich, es gibt wichtigere Räume, die man gerne zeigen möchte. Aqua Cultura hat uns die Türen zu den gezeigten Bädern geöffnet, um uns zu zeigen, wie und mit welchen Materialien wir demnächst unser Gäste-WC gestalten können.

Kompakt, strukturiert, einfach und gut!
Klein – kompakt – strukturiert. Nahezu zentralistisch ist dieser Grundriss auf das wesentliche ausgerichtet. Feinstrukturiert erkennt man verschiedene Wandoberflächen. Die Fensterbank wurde praktischerweise als Horizont gewählt. Der untere Bereich hat eine klassische Elefantenhaut zur leichten Reinigung bekommen, und oberhalb bricht ein leicht aufgerauter Putz das indirekte Licht. Der Spiegel setzt ebenfalls an dieser Linie an. Schlicht und durchdacht.
Badplanung: Aqua Cultura / Dreyer

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