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Hausbesuch

Bauernhaus im Grünen

Perfekte Lage, unverbaubarer Blick und ein in die Jahre gekommenes Gehöft: Dieses Bauernhaus ist der Beweis dafür, dass viele alte Häuser kleine Rohdiamanten sind, die nur darauf warten, geschliffen zu werden.

Wer träumt nicht von einem Haus am Straßenende – das Grundstück perfekt nach Süd-West ausgerichtet und der Ausblick grandios? Natürlich gibt es einen kleinen Haken – das Bauernhaus auf diesem Traumgrundstück durfte nicht abgerissen werden, und der Zustand war nicht zum sofortigen Einzug geeignet. Es bedurfte schon viel Vorstellungskraft seitens der Baufamilie, die Möglichkeiten zu sehen, die solch ein Gebäude bietet. Gut, dass im Freundeskreis ein Architekt ist. Gemeinsam schaute man sich öfters das Gebäude an, zu verschiedenen Tages-, Nacht- und Jahreszeiten. Das war möglich, weil viele potentielle Käufer sich eben nicht vorstellen konnten, was mit so einem Rohdiamanten machbar ist, und dementsprechend die Kaufentscheidung nicht sofort getroffen werden musste.

Der Traum im grünen mit unverbaubaren Ausblick ...
Der Traum im Grünen mit unverbaubaren Ausblick …

 

Während dieser Phase der Planung wurden Gutachten über den Bauzustand eingeholt, die baubehördlichen Möglichkeiten abgeklopft sowie die Wünsche und Vorstellungen der Baufamilie abgefragt. So tastete man sich von der Liebe auf den ersten Blick langsam zu einer Entscheidung, die auch der Verstand immer besser verstehen konnte. Denn das Herz hatte sich schon früh entschieden – ja, hier wollen wir wohnen, die Aussicht in die grüne Natur genießen, den Sonnenuntergang bei einem kühlen Glas Weißwein genießen, und die Kinder können im grünen Garten spielen, Buden bauen, die Jahreszeiten direkt erleben.

Das Bauernhaus als Rohdiamant

Bis zum Einzug aber stehen eine Menge Arbeit und viele Entscheidungen auf dem Plan. Gemeinsam mit dem Architekten Sven Detering aus Bielefeld stellte man das Raumprogramm auf und definierte die Wohnatmosphäre. In den Innenräumen sollten Spuren des Bauwerks sichtbar gemacht werden, alte Elemente wie Türen und Balken ein zweites Leben bekommen und möglichst natürliche, ehrliche Materialien Verwendung finden.

Wohnen auf unterschiedichen Ebenen
Flaneur im eigenen Haus.

 

Schon während die ersten Ideen skizziert wurden, war schnell klar, dass im ehemaligen Wohnbereich des Bauernhaus nicht alle Raumwünsche der Familie Platz finden würden. Der Mitteltrakt, der in früherer Zeit die Stallungen beherbergte, musste mit in die Planung einbezogen werden. Diese Entscheidung bedeutete aber auch, zwei unterschiedliche Niveau-Ebenen miteinander zu verbinden.. Zwischen der Garten- und Wohnebene liegt immerhin ein Höhenunterschied von 1,40 Metern.

Intelligente Aufteilung der Räume

Einerseits eine große Herausforderung für den Architekten, andererseits bietet diese neue Situation neue Möglichkeiten der Raumordnung. So konnte der große Wunsch der Familie erfüllt werden, dass man von der Küche und dem Essbereich direkt in den Garten gehen kann. Denn Küche und Essbereich finden in den ehemaligen Stallungen ihr neues Zuhause. Die bodentiefen Fenster sind hier eine Falt-Schiebe-Anlage, und so wird der Übergang im Sommer von der Küche zum Garten einfach weggeschoben, und man hat das Gefühl, direkt draußen zu kochen. Bei dem riesengroßen Garten ein wahrer Luxus.

Wohnküche mit Blick in den Garten.
Wohnküche mit Blick in den Garten.

 

Der Eingang wurde wieder an die Doppelgiebelfassade zurückverlegt. Zwar muss man nun vom Eingang bis zur Küche quer durch das Haus, aber dieser Weg ist eher ein Flanieren. Durch drei unterschiedliche Ebenen wird einerseits der Höhenunterschied spielerisch überwunden, und andererseits wird der Weg so zu einem Erlebnis, denn die verschiedenen Ebenen fließen praktisch zusammen. Das erzeugt viel Offenheit und Transparenz im Wohnbereich. Dies kann sicher auch an der ein oder anderen Stelle anstrengend werden, wenn jeder direkt weiß, wer sich gerade wo aufhält. Um diese Idee realisieren zu können musste die alte Holzbalkendecke oberhalb des Kellers weichen und durch eine Stahlbetondecke ersetzt werden. Ein großer Eingriff in die Struktur des Hauses der sich allerdings wahrhaft gelohnt hat.

Logischerweise orientieren sich im Erd- und Obergeschoss die Schlaf-, Wohn-, Esszimmer und Küche zum Garten hin. Die funktionalen Räume wie die Badezimmer, Abstellräume, begehbarer Kleiderschrank, Treppenhaus und Arbeitszimmer liegen im Nord-Osten des Hauses.

In dem großzügigen Badezimmer kan man den Tag wunderbar starten.
In dem großzügigen Badezimmer kan man den Tag wunderbar starten.

 

Im Obergeschoss sind das Schlafzimmer der Eltern und die Kinderzimmer ebenfalls mit bodentiefen Fenstern ausgestattet. Dadurch ist auch hier der direkte Bezug zum Garten gesichert, und man hört nicht nur Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen, sondern wird morgens vom Vogelgezwitscher geweckt und startet somit wunderbar gelaunt in den Tag. So entsteht eine ganz besondere Lebensqualität, die in diesem alten Bauernhof in vollen Zügen genossen werden kann.

Natürliche Materialien im Wohnraum

Die Verbundenheit zur Natur spiegelt sich in der Wahl der Materialien wieder, so sind alle Wände mit Lehmputz vergütet, und wo der Boden nicht in Sichtestrich ausgeführt worden ist, hat man sich für ein massives Eichenparkett entschieden. Im Wohnzimmer wurden halbhohe Wände in Stampflehm ausgeführt, die die Ebenen optisch voneinander trennen. Die alte, wunderschöne Dielentür mit farbiger Verglasung wurde ausgebaut, liebevoll aufgearbeitet und gibt beim Betreten des Hauses sogleich ein besonderes Gefühl des Ankommens und sich Wohlfühlens. Freigelegte Ziegel finden sich im Treppenhaus und in der Wohnküche wieder und geben diesen Räumen einen sehr lebhaften Charme.

Architekt:

Sven Detering
Dipl.-Ing. Architektur
August-Bebel-Straße 173a
D – 33602 Bielefeld

Telefon: +49 521 522 16 10
E-Mail: info(vivian.herbrich@burda.com)sven-detering.de

www.sven-detering.de

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